Bevor Sie das Muster verwenden
Ein Musterschreiben hilft, die formalen Anforderungen an einen Einspruch zu erfüllen. Es ersetzt aber nicht die Prüfung, ob der Einspruch in Ihrem Fall sinnvoll ist. Klären Sie vorab:
- Frist: Ist der Bescheid weniger als einen Monat plus vier Tage alt? Rechnen Sie das Fristende genau aus.
- Richtiger Bescheid: Welcher Bescheid enthält den Fehler? Bei der Grundsteuer ist das meist der Grundsteuerwertbescheid des Finanzamts, nicht der Bescheid der Gemeinde.
- Gesamtbild: Gibt es Punkte, in denen der Bescheid zu Ihren Gunsten ausgefallen ist? Diese könnten bei einer Gesamtprüfung wegfallen.
- Belege: Welche Nachweise können Sie vorlegen?
Sie können das Muster als Brief verschicken oder den Text in das ELSTER-Formular „Einspruch“ übernehmen. Bei der elektronischen Übermittlung über ELSTER entfallen Anschrift und Unterschrift.
Musterschreiben: Einspruch gegen den Steuerbescheid
Das folgende Muster eignet sich für Einsprüche gegen Einkommensteuerbescheide und andere Steuerbescheide des Finanzamts. Ersetzen Sie alle Angaben in eckigen Klammern.
Vorname Nachname Straße Hausnummer PLZ Ort Steuernummer: [Steuernummer] An das Finanzamt [Ort] [Anschrift des Finanzamts] [Ort], den [Datum] Einspruch gegen den [Einkommensteuerbescheid] [Jahr] vom [Datum des Bescheids] Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit lege ich gegen den oben genannten Bescheid Einspruch ein. Begründung: [Beschreiben Sie die Abweichung, z. B.: Im Bescheid wurden die Werbungskosten für Arbeitsmittel in Höhe von [Betrag] Euro nicht berücksichtigt.] [Erläutern Sie den Sachverhalt und benennen Sie Belege, z. B.: Die Rechnung vom [Datum] füge ich als Anlage bei.] Ich beantrage, den Bescheid entsprechend zu ändern und die Steuer herabzusetzen. [Optional:] Zugleich beantrage ich die Aussetzung der Vollziehung in Höhe des strittigen Betrags von [Betrag] Euro, da ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Bescheids bestehen. [Optional, falls noch keine Begründung vorliegt:] Die Begründung reiche ich bis zum [Datum] nach. Mit freundlichen Grüßen [Unterschrift] Vorname Nachname Anlagen: [Liste der Belege]
Optionale Absätze streichen Sie, wenn sie nicht passen. Die Aussetzung der Vollziehung sollten Sie nur beantragen, wenn Sie den strittigen Betrag benennen können und ernstliche Zweifel tatsächlich begründen.
Varianten: Schätzungsbescheid und Grundsteuerwert
Einspruch gegen einen Schätzungsbescheid
Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid [Jahr] vom [Datum] (Schätzungsbescheid), Steuernummer [Steuernummer] Sehr geehrte Damen und Herren, gegen den oben genannten Bescheid lege ich Einspruch ein. Die Besteuerungsgrundlagen wurden geschätzt, weil meine Steuererklärung nicht vorlag. Die vollständige Einkommensteuererklärung [Jahr] habe ich am [Datum] über ELSTER übermittelt / füge ich bei. Ich beantrage, die Steuer auf Grundlage der Erklärung festzusetzen und die Vollziehung des Bescheids in Höhe des Unterschiedsbetrags auszusetzen. Mit freundlichen Grüßen [Name]
Einspruch gegen den Grundsteuerwertbescheid
Einspruch gegen den Bescheid über den Grundsteuerwert auf den 1. Januar 2022 vom [Datum], Aktenzeichen [Aktenzeichen aus dem Bescheid] Grundstück: [Anschrift, Gemarkung, Flur, Flurstück] Sehr geehrte Damen und Herren, gegen den oben genannten Bescheid lege ich Einspruch ein. Im Bescheid wurde eine Wohnfläche von [Wert] m² angesetzt. Die tatsächliche Wohnfläche beträgt [Wert] m². Eine Wohnflächenberechnung füge ich bei. Ich beantrage, den Grundsteuerwert entsprechend herabzusetzen und den Grundsteuermessbescheid anzupassen. Mit freundlichen Grüßen [Name]
Bei Bescheiden nach einem Landesmodell lautet die Bezeichnung je nach Land anders, zum Beispiel Bescheid über die Grundsteueräquivalenzbeträge. Übernehmen Sie die Bezeichnung und das Aktenzeichen exakt aus Ihrem Bescheid.
Ausfüllhinweise und typische Fehler
- Bescheid genau bezeichnen: Steuernummer, Steuerart, Veranlagungsjahr und Datum des Bescheids gehören in den Betreff. Bei zusammenveranlagten Ehegatten sollten beide den Einspruch einlegen oder klar erkennbar mittragen.
- Nicht nur „Widerspruch“ schreiben: Die falsche Bezeichnung schadet in der Regel nicht, die richtige Bezeichnung „Einspruch“ vermeidet aber Rückfragen.
- Konkrete Zahlen: Nennen Sie die Beträge, um die es geht. „Der Bescheid ist falsch“ allein hilft dem Finanzamt nicht weiter.
- Belege beilegen: Kopien genügen in der Regel. Originale bewahren Sie selbst auf.
- Nachweis des Zugangs: Wählen Sie ELSTER, Fax mit Sendebericht oder die persönliche Abgabe mit Eingangsstempel, wenn die Frist knapp ist.
- Frist für die Begründung einhalten: Haben Sie angekündigt, die Begründung nachzureichen, halten Sie das selbst gesetzte Datum ein oder bitten Sie rechtzeitig um Verlängerung.
Sachliche Formulierungen genügen. Rechtsausführungen oder Paragrafenketten sind nicht nötig, solange klar wird, was Sie beanstanden und was Sie beantragen.
Wann professionelle Prüfung sinnvoll ist
Für einfache Fälle, etwa nicht berücksichtigte Belege, reicht oft das Musterschreiben. In anderen Fällen ist eine Prüfung durch eine Partnerkanzlei oder einen Steuerberater ratsam:
- bei hohen Nachzahlungen oder Schätzungen mit erheblichen Beträgen,
- wenn das Finanzamt bereits einen Verböserungshinweis erteilt hat,
- bei Fragen der Grundsteuerbewertung, die von Landesrecht und Bewertungsdetails abhängen,
- wenn eine Klage beim Finanzgericht in Betracht kommt,
- wenn die Frist bereits abgelaufen ist und Wiedereinsetzung oder eine andere Korrektur geprüft werden muss.
Über einspruch.eu können Sie Ihren Fall schildern. Eine unabhängige Partnerkanzlei oder ein Steuerberater prüft die Unterlagen und informiert Sie über Erfolgsaussichten und Kosten, bevor ein Auftrag zustande kommt. Die Muster auf dieser Seite sind allgemeine Formulierungshilfen und keine Beratung im Einzelfall.
Bewahren Sie eine Kopie Ihres Einspruchs und den Zugangsnachweis zusammen mit dem Bescheid auf. Diese Unterlagen werden benötigt, wenn später eine Einspruchsentscheidung ergeht oder eine Klage geprüft werden soll.
Unsicher, ob sich ein Einspruch lohnt? Eine Partnerkanzlei schaut sich Ihren Bescheid kostenlos an. Jetzt Ersteinschätzung anfordern.
Häufige Fragen
Darf ich das Muster unverändert verwenden?
Nein, Sie müssen die Platzhalter mit Ihren Daten füllen und die Begründung an Ihren Fall anpassen. Ohne konkrete Angaben kann das Finanzamt den Einspruch nicht zuordnen oder nicht inhaltlich prüfen.
Kann ich das Muster auch in ELSTER verwenden?
Ja. Übernehmen Sie Betreff, Begründung und Anträge in das Formular „Einspruch“. Anschrift und Unterschrift entfallen.
Muss ich den Einspruch unterschreiben, wenn ich ihn per Post schicke?
Eine Unterschrift ist gesetzlich nicht zwingend, solange erkennbar ist, wer den Einspruch einlegt. Sie ist aber üblich und empfehlenswert.
Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Rechtslage und Beträge können sich ändern; maßgeblich ist Ihr konkreter Bescheid.